Tenerife in Carnaval

“Belinda ist nervös, selbst ihr zentimeterdickes Make up vermag dies nicht zu vertuschen. Belinda will Carnevalskönig werden …“

Wie Belinda, so ist nahezu jeder Tenerifi carnevalsverrückt, der auf Tenerife jedoch nicht nahezu ein halbes dauert, sondern nur wenige Wochen, die dafür umso intensiver sind. Am Tag des Coros ist Belinda die Erste, die den Coso durch Santa Cruz anführt als Königin des Carnavals. Gefolgt von den Clows, die bereits seit Tagen über die Lokalpolitiker vom Leder gezogen sind und überall in den Strassen sichtbar waren. Und dann folgen sie auch, die Samba- und Salsatänzer, Männer und Frauen bunt gemischt und vereint in den knappen Kleidern. Grosse Carrozas prägen den Umzug in Santa Cruz ebenso mit ihren antiken Pyramiden, neumodigen Feuerdrachen und Spelunken wie Tausende von herausgeputzten Menschen aus den zahlreichen Tanzschulen.

Dies ist, kurz gefasst: Santa Cruz in Carnaval. Und mit der mondänen Hauptstadt der kleinen Insel inmitten des Atlantiks ist der ganze Norden gefüllt von Carnavals-Veranstaltungen in einem bunten Theater aus Strassenumzügen und verrückten Traditionen.

 

Santa Cruz in Carnaval

Eine Woche dauert die verrückte Zeit in Santa Cruz, eine Woche nahezu durchgehender Party. In dem abgelegenen Archipel, der früher bitterarm war, bildete der Carnaval die Möglichkeit einmal im Jahr ausgelassen zu sein und alle Sorgen beiseite zu schieben. Und es war die Möglichkeit, auf die Oberen zu schimpfen und sie zu verspotten. Die Fürsten, und hier ist der canarische Carnaval dem deutschen Fasching nicht ganz unähnlich, konnten in diesen Tagen dem Volks buchstäblich aufs Maul schauen um zu sehen, was sie von ihrer Politik hielten. Niemand nahm es übel, aber die Dinge konnten sich entwickeln. Noch heute findet hinter der Maske dicker Schminke die Persiflierung der Oberen statt. Nur zwischenzeitlich mit lauter Musik.

Den Startpunkt bildete die Wahl der Königin des Carnavals. Eine Entscheidung, die das Leben der Kandidatinnen verändern kann, denn für sie ist weniger der Carnaval selber interessant, als vielmehr die Zeit danach mit reich dotierten Modelverträgen.

Gran Coso de Santa Cruz

Aber wen am Samstag vor Rosenmontag die ganze Innenstadt rund um den Placa Espana zu einer einzigen Partyzone wird, so kommen sie aus allen Inselteilen hierher. Die Hotels sind restlos ausgebucht für den zweitgrössten Carnaval der Welt nach Rio de Janeiro. Überall in den Strassen der Innenstadt dröhnt die Musik die ganze Nacht durch, nachdem die Menschen mit dem Dinner abgeschlossen haben und somit ausreichnet genährt sind für eine lange Nacht die bis in die frühen Morgenstunden reicht. Der Alkohol fliesst in Strömen und die Menschen, ob Mann oder Frau, knutschen sich gegenseitig ab. Das Leben ist unbeschwert wie selten, ohne das die Menschen ausfallend werden. Nach Sonnenaufgang sieht die Stadt dann aus wie ein Schlachtfeld, aber schon sind die Strassenreiniger im Anmarsch, um bis Mittag die Spuren der Nacht zu beseitigen. Es müssen Tonnen von Müll sein, die hier abtransportiert werden.

Dabei verkleiden sich die Partygänger gar nicht weiter. Jeder Chinamarkt auf der Insel bietet eine reichhaltige Auswahl von Überziehern und man dürfte auch selten so viele Fällganzkörperkondome auf einem Fleck finden wie in Santa Cruz zu Carnaval. Und wenn das Wetter gut ist, dann läuft mancher Verrückter auch einmal nur in engen Hotpants durch die Strassen, um seinen Körper im wahrsten Sinne des Wortes zur Schau zu tragen. Und man ist erstaunt, was Menschen alles mitbringen, wenn sie ausgehen: die Flightdeck Crew bringt ihre Rollkoffer mit, andere haben riesige aufblasbare Fische oder Badeinseln, die sie die ganze Nacht mit sich fuehren.

Und kaum sind am Morgen des Faschingsdienstag die Folgen der vergangenen Nacht beseitigt, bereitet sich die Stadt auf den Höhepunkt der ganzen Woche vor: den Gran Coso, den grossen langen Strassenumzug der auf dem Placa Espana endet. Schon Mittags sind die ersten Stühle, die am Strassenrand in Zweierreihe aufgestellt wurden, besetzt. Denn jeder will den besten Platz von allen haben und ganz direkt am Geschehen dran sein. Die Sonne brennt und die leichte Brise der See kühlt wieder etwas, während sich langsam die Gassen wieder füllen.

Wie immer auf den Canaren mit etwas Verspätung beginnt der Coso dann gegen vier Uhr. Während vorher noch einige Wagen des Croves aus der vorangegangenen Partynacht rollen, bereitet sich die Queen of Carnaval auf ihren grossen Auftritt vor. Ihr voran schreitet ihre Hofkapelle, die Gesichter bunt bemalt im Kostüm der canadischen Mountain Police, und natürlich der Bischof des Carnavals – man ist die Spanien und die Kirche ist auch im Carnaval ein nicht zu vergessende Institution. Die Schutzgarde der Königin, bestehend aus Frauen und Männern in prächtigen Kostümen mit vielen Federn bei den Frauen und den feuerroten Teufelshörnern bei den Männern bilden die Vorhut und verstellen als letzte den Blick auf die Königin.

Dann dann präsentiert sich ihre Majestät. Die Königin thront auf ihrem Wagen in Silber gehüllt, wo mehr gezeigt als verdeckt wird. Das Haupt schmückt eine riesige Pfauenkrone und ihr Thron ist eine Phantasie aus silbern schimmernden und leicht verarbeiten Wölbungen.

Der König folgen die canarischen Tiere: der Papagei. Eine ganze Hundertschaft zieht in dem Zug vorbei, reich mit Federn geschmückt und kunterbunt. Wie die Papageien eben sind. Und das der Carnaval für Jung und Alt ist zeigen die vielen Kinder, die selbst im Kinderwagen die kilometerlange Strecke durch die Gassen der canarischen Hauptstadt mitschreiten. Manchmal scheint ihnen die Lust vergangen zu sein, aber sie bleiben dabei und haben noch tagelang von dem bunten Treiben zu erzählen.

Der König können sie alle nicht das Wasser reichen. Nicht die Jungfrau und auch die nicht Dame of Honours, die in einem eigenen Wagen als Hofstaat der König folgen. Und auch nicht die Queen of the retiered People. Aber sie zeigen die Vielfalt des Carnavals der Canaren, welcher über die Generationen verbindet und der auch die Kulturen verbindet. Denn nach den vielen Tanzschulen folgen die Folkloregruppen. Ob europäisch, indisch oder japanisch – sie sind dabei in bunten Kostümen. Es hier ist es auch nicht mehr die Zeit des Spots, sondern nur noch die Zeit der ausgelassenen Freude. Die Menschen feiern sich selbst und ihre bunte Vielfalt.

Und nach drei Stunden ist das Spektakel vorbei und die Stadt bereitet sich auf eine weitere Partynacht vor. Und nach vier weiteren Partynächsten hat das Spektakel für ein Jahr Pause. Öffentlich. Denn im Stillen bereiten die Menschen schon ihre nächsten bunten Kostüme vor.

Flickr Album Gran Coso de Santa Cruz

 

Die Beerdigung der Sardine

Während sich in Deutschland die Politiker mit mehr oder weniger gekonnten Reden sich gegenseitig an die Wurzel gehen, nehmen sich die Menschen auf den Canaren selber auf die Schippe. Niemand kennt die Herkunft der Tradition, aber schon den ganzen Tag war auf dem Placa San Telmo eine riesige Sardine ausgestellt, die kurz nach Sonnenuntergang durch die Strassen getragen wird zum Hafen von Puerto de la Cruz. Schwarz bekleidete Männer bekleiden diese Sardine in tiefer Trauer und rund herum kreischen in Frauenkleidern verkleidete Männer um Pedro, die Sardine. Wenn sich der Zug langsam fortbewegt, so könnte man allen Ernstes glauben, hier sei wirklich jemand gestorben.

Dabei dient das grosse Spektakel zwischenzeitlich nur mehr dazu, einmal mehr ein Feuerwerk über den Dächern der Hafenstadt abzufeuern. Einmal mehr läutet die Beerdigung der Sardine eine lange Partynacht auf dem Placa de Charco ein. Denn im Hafen angekommen wird diese Sardine gesprengt gefolgt vom Sardinenfeuerwerk. Und kaum ist die Sardine verbrannt, strömt die Serveza in Strömen und auch der Wein zeigt seine Wirkung.

 

Tuntenlauf von Puerto de la Cruz

Te Conozco Mascarita 2018

Und zwei Tage später kommt es bereits zum nächsten Höhepunkt und man merkt: die kleine Stadt im Norden der Insel will sich gezielt vom Rest den carnavalistischen Treibens abheben. Wie bereits bei der Beerdigung der Sardine Pedro kann auch hier heute niemand mehr sagen, wann es angefangen hat. Aber die Gassen sind einmal mehr gefüllt und die Carnavalstouristen kommen extra aus Santa Cruz angereist, um Männer auf hochhakigen Schuhen über Kopfsteinpflaster Hindernisse überwinden zu sehen.

Mindestens neun Zentimeter müssen die Absätze hoch sein. Ob nun reale High Heels oder Plateauschuhe spielt keine Rolle. Und obwohl es keine Voraussetzung ist: bunt sollten sie sein. Und deshalb werden von den Läufern auch schoneinmal ganze Möbelstücke aus Pappe gebastelt, die natürlich den Lauf nicht einfacher machen. Aber Spass macht es und wenn einer die Hindernisse einfach umläuft, gibt es laute Buh-Rufe. Aber dafür hilft man auch jeder „Dame für einen Abend“ über die Hürden und so manche Frau springt einfach mit, wenn auch ohen High Heels.

Und wenn jetzt jemand fragt, wieviele Damen hier mitmachen, so sei ihm geantwortet: keine. Diese sind nämlich ausgeschlossen und niemand beschwert sich darüber. Denn hier wollen vorallem die Frauen sehen, wie die Männer durch die Gegend gockeln und sich bei jedem Hindernis und jedem Pfasterstein fast die Haxe brechen. Aber dies kommt nicht wirklich oft vor, denn vorher wird geübt.

Flickr Album Te Conozco Mascarita

 

Gran Croso Puerto de la Cruz

Puerto de la Cruz

Dem Abschluss der canarischen Carnaval Session bildet traditionell der Gran Coso in Puerto de la Cruz drei Tage nach Aschermittwoch. Noch einmal werden die bunten Kostüme heraus geholt. Was in von Santa Cruz unterscheidet? Er ist nicht nur deutlich kleiner, er ist auch wesentlich volksnäher. Es laufen weniger Gruppen und dafür viele Individuen, die hier einfach mitkommen und ihren Spass am Verkleiden haben.

Das Besondere in Puerto de la Cruz ist die Partnerschaft mit Düsseldorf. Bereits am Rosenmontag war die Queen of Carnaval in Düsseldorf dabei, um wenige Tage später das Düsseldorfer Prinzenpaar in ihrer Residenzstadt zu begrüssen. Mit einem eigenen Wagen, Hellau und Kamelle machen sich die Düsseldorfer schnell bemerkbar – sie heben sich ab von dem canarienvogelbunten Treiben der Lokalitas.

Und während die Queen von Santa Cruz den Zug ihrer Getreuen eröffnet, lässt sich die hohe Dame von Puerto de la Cruz die Zeit, den Zug zu beschliessen, gefolgt von einer wilden Horde von ausgelassen feiernden Menschen, die bei lauter Crove Music durch die Gassen der ansonsten so beschaulichen Kleinstadt im nördlichen Ende von Tenerife ziehen. Nunmehr haben die Menschen nur noch eine Nacht und daher will keine Minute verloren sein.

Ein Jahr müssen die Menschen dann warten, bis sie wieder ihre bunten Kostüme rausholen und durch die Gassen bei lauter Musik und viel Ausgelassenheit feiern können.

Flickr Album Gran Coso Puerto de la Cruz

Tenerife . Inmitten des Atlantik

Das Europa nicht an der Grenze zu Maroc endet, lernt man schnell kennen, wenn man auf dem Tenerife Reina Sofia Airport im Süden der Vulkaninsel landet: die Passkontrollen gibt es nicht und Afrika ist zumindest gefühlt weit weg. Die Welt ist geordnet, noch nicht einmal spanisch.

Allerdings konnte ich vor der Landung nicht viel von der Insel sehen. Wie ich später noch merkte legt der Einfluss des Teide-Gebirges die Insel immer in einen Mantel von Wolkendunst. Und so konnte ich auch den Teide, Spaniens höchsten Berg, nicht beim Landeanflug sehen.

 

 

Ich war Pauschaltourist

Obwohl beruflich auf die Insel gekommen, hatte ich eine Pauschalreise gebucht. Ein fast neues Erlebnis, alles ist fertig gebucht und braucht sich nur noch darum zu kümmern, dass man zum Flughafen kommt. Allerdings ist man dann auch auf Fluggesellschaften wie Niki/Air Berlin angewiesen, die nicht unbedingt für ihre hohe Kundenfreundlichkeit und Pünktlichkeit bekannt sind. Aber mitten im Sommer auf eine Touristeninsel zu fliegen – da gibt es kaum andere Möglichkeiten.

Ascheinsel

Die Islas de Canarias sind Vulkaninseln und dies sieht der Besucher auch schnell: überall ist der Boden karg und aschegrau bedeckt. Auch wenn der letzte Ausbruch des Teide schon über 100 Jahre zurück liegt, bleibt die Insel von Asche bedeckt. Die Insel ist deshalb mehr eine Mondlandschaft und wer bereits in der Wüste war, fühlt sich an diese Gegend erinnert.

Puerto de la Cruz . Der touristische Hotspot im Norden

Wer einmal auf Mallorca war, wird bereits von Anbeginn darauf stossen, dass es auch anders geht: der Ballermann ist 2.000 km weit entfernt und dies nur in Kilometers. Es geht gediegener Zu und die Saufgelage vom Balinario 6 oder einen Bierkönig wird man auf Teneriffa vergeblich suchen. Denn das Publikum ist zwar gemischt, aber gleichfalls ruhig.

Puerto ist ein liebevoll erhaltenes Städtchen. Zwar gibt es zahlreiche Neu- und Hotelbauten, die teilweise aus dem Reihe fallen und deplaziert sind. Gleichzeitig wurde aber der grösste Teil der Altstadt erhalten in ihrem traditionellen Stil. So findet man deshalb auch noch den alten Baustil von Fischerhäusern und spanischen Bürgershäusern, die in gepflegter Form dicht beeinanderstehen. Wenn man durch die engen Gassen geht, kann man Fischer noch spüren, die gerade ihren Fang anlanden, während auf der anderen Seite die Bürgersleute ihren Handels- und Handwerksgeschäften nachgehen. Mit viel Liebe zum Detail werden die Bauwerke erhalten und gleichzeitig an allen Stellen mit kleinen Lädchen und Cafes die Atmosphäre aufzulockern versucht. Schnell entschwindet man so auch den touristischen Badebereichen, in denen die Musik dröhnt. Schon auf dem Plaza de Chaco ist man zwar nur wenige Meter vom der Badebucht entfernt – aber die Ruhe eines belebten Stadtplatzes umgibt einen mit ihren Palmwedeln.

Eine Besonderheit wohl auf der gesamten Insel sind die engen Badebuchten. An offenen Stränden ist es viel zu gefährlich, durch den Rückstrom in den Atlantic schnell ins offene Meer gezogen zu werden. Und so ist neben dem öffentlichen Bad direkt an der Promenade überall in kleinen Buchten eine grosse Anzahl Badegästen – mitten auf den Lavasteinen, die so weich sind, dass man sie nicht weiter spürt. Eng an Eng wie in einer Hühnerbraterei werden auch die Plätze auf den Molen bevölkert, denn viel Strand ist nicht und so muss jeder Zentimeter ausgenutzt werden. Wie wird dies erst im Dezember in der Hauptsession ausschauen? Aber raus auf das Meer traut sich niemand, zu gefährlich auch wenn die Rettungsschwimmer schon mit Schnellbooten bereit stehen.

Teide Gebirge

In Teneriffa wird nicht nach Entfernung bemessen, sondern nach Höhe – der Teide bestimmt das Klima und je höher man wohnt, je kälter kann es werden. Im Sommer ist dies weniger von Interesse, da ist es eher umgekehrt und die unteren Bereich liegen unter den Wolken, die das Teide-Gebirge aufstaut.

Schaut man vom Norden auf das Teide-Gebirge, so wird es noch weit bis in die Höhe von einem dichten Wald bedeckt. Grün scheint der Berg und Teneriffa ist auch für seine Wanderwege bekannt, die bis weit in luftige Höhen ausgebaut sind. Je höher man steigt, desto geringer wird die Vegetation bis man am Fusse des Teide auf dem Gipfel der umliegenden Vulkane steht. Sie sind momentan ruhig, aber die Ebene ist quasi eine Mondlandschaft mit einer wohl einzigartigen Flora. Die Pflanzen haben sich hier an das trockene Klima angepasst.

Vom Roques de Garcia hat man dann einen hervorragenden Blick sowohl auf den Teide wie auch das angegrenze, zum Atlantik abfallende Tal. Der Blick ist atemberauben, denn bereits hier kann die Schichtung der unterschiedlichen Vulkanausbrüche erkennen. Wer Schichtung von woanders kennt, wird diese hiesige etwas merkwürdig finden: sie ist schräg. Und auf dem Weg nach Santa de la Cruz, der Hauptstadt von Teneriffa und der gesamten Region der Canaren, tritt die Schichtung noch einmal deutlich hervor.

 

Tenerife – Fire and Sun

Hong Kong . Asia’s Noble House

Was der “Royal Flying Doctor Service” für Australien war, war das Noble House Hong Kong in Bezug auf die Stadt am Perlfluss. Ich war fasziniert von dem Film und der Stadt, in der er spielte. Lange Zeit hatte ich den Film nicht wiedergefunden, er wurde wohl nie mehr gesendet – geschweige denn, konnte ich nach Hong Kong fliegen. Nun waren die Eid-Feiertage angebrochen und der ideale Zeitpunkt, durchzustarten.

Die alten Zeiten des Kai Tak Airports sind bereits lange vorbei und so landet man weit vor den Toren der Stadt auf Chep Lap Kok – und obwohl der Flughafen auch bereits rund 20 Jahre auf dem Buckel hat, wirkt er bis heute frisch und runderneuert. Die ausgesuchte asiatische Höflichkeit steht buchstäblich stramm und lässt einen rasch durch die Einreiseprozeduren kommen. Wenn auch ohne Stempel und alles nur elektronisch. Für Menschen wie mich, die ihren Reisepass durchaus gerne mit Stempeln ihrer Reisedestinationen füllen, ist dies wohl eine traurige Zeit. Aber die Welt dreht sich weiter.

Und obwohl es bereits dunkel war, wurde ich gleich von der Hochhauswelt der chinesischen Sonderverwaltungszone erschlagen. Die S-Bahn vom Flughafen offenbart es sehr deutlich: Hong Kong lebt in der Höhe. Mir war aus Berichten bereits bekannt, dass die Menschen hier eher auf kleinem Raum zu unverschämten Preisen leben. Dies jedoch zu sehen, ist etwas Anderes.

The Peak

Hong Kong ist eine Ansammlung von Inseln, um deren Anhöhen sich die Bevölkerung angesiedelt hat und der Peak ist so etwas wie der Hausberg Hong Kongs, gelegen auf der Insel die der Stadt den Namen gegeben hat. Es ist ein wunderschöner Walk von der Central Station zur Talstation der Tram, die auf den Peak führt. Aber auch hier: Erschlagen wird man von den Hochhäusern, die mal geschäftlich und mal für Wohnzwecke errichtet werden. Es fällt auf, dass gerade Letzteres vor allem schmal aufragen und dicht an den Hängen gebaut sind.

Aber Hong Kong hat nicht seine ganze Geschichte weggerissen. Es sind wie so häufig die Kirchen, die die alte Baukultur erhalten. Die Hong Kong Cathedral wird von der Katholischen Kirche in einer ihr durchaus eigenen Form erhalten und ist in der Mitte eines tropischen Parks gelegen. In einer aufgeregten Stadt ist es ein Ort der Ruhe.

Aber man sollte früh kommen, denn sonst wartet man lange an der Tal-Station der Tram. Einmal mehr wird deutlich: das Design ist eine Mischung aus chinesisch und britisch. Steil führt sie bergauf, teilweise mit einer enormen Steigung die einen in die Sitze fesselt oder man sollte angelehnt sein. Aber sie führt direkt am Hang entlang und man hat einen wundervollen Blick auf den Hafen und die ganze, offenbar immer grüne Stadt.

Ist man schließlich auf dem Peak angekommen … kann sich der Besucher nur wundern.

Aberdeen

Der Hafen von Aberdeen im Süden der Hong Kong Island war einmal das Zuhause der chinesischen Triaden von Hong Kong. Es ist wohl das chinesischste Viertel der ganzen Stadt und das Viertel, wo sich am wenigsten Touristen verirren. Es führt nur der Bus hin – oder man hat eines der sündhaft teuren eigenen Fahrzeuge, die sowieso keinen Parkplatz finden. Aber ein Blick dorthin lohnt sich allemal.

Es ist dabei manchmal schwierig, sich zu orientieren. Ich war auf einer der vielen Anhöhen mit dem Bus angekommen, aber Aberdeen war noch irgendwo gefühlte hundert Meter unter mir und ich mitten in einem Wohnviertel. Das Problem: die Busfahrer sprechen kaum bis gar nicht English und schicken einen mit eher unfreundlichen Handbewegungen weg. Und die Busanzeigen sind auch nur wenig hilfreich, wenn man in einem unbekannten Gebiet ist. Aber wie überall finden sich nette Leute, die einem weiterhelfen und zeigen, welchen Bus man nimmt. Und so war ich dann irgendwo neben kleinen Shops gelandet in mitten einer Ansammlung von 10Stoeckern.

Aberdeen ist vor allem der Hafen, der sehenswert ist. Überall schippern kleine Fährboote und ich bin recht rasch, als ich in dem kleinen Park spazieren ging, von einer älteren Chinesin auf ihr Fährboot eingeladen. Es ist keine Hafenrundfahrt im eigentlich Sinne, sondern eher der Bus-Service zwischen dem Land und den Booten. Aber es lohnt sich, denn man bekommt einen Einblick des Lebens auf dem Wasser.

Tsim Sha Tsui und the Night Market

Ein Besuch in Hong Kong sollte nicht sein ohne den Besuch des Night Markets in der Temple Street – man sollte nicht erwarten, hier traditionelle Waren zu bekommen – dafuer sind andere Maerkte da. Aber der Markt in der Temple Street ist auch insofern ein Besuch wert, weil es eben nicht nur ein Markt, sondern auch ein kulturelles Ereignis ist.

Lantau Island und der Große Buddha

Lantau Island ist die groesste Insel der ehemaligen britischen Kronkolonie – aber bereits Teil der sogenannte New Territories. Im Gegensatz zum dicht besiedelten Hong Kong Island oder Kowloon ist es jedoch ein Teil der Stadt, die durch und durch von immergruenen Waeldern bedeckt ist. Nur der Norden weisst die fuer Hong Kong typische Wohndichte auf.

Eigentliches Ziel meiner doch recht langen Reise war jedoch die Po Lin Monastery and der Grosse Budha. Zu meinem Bedauern war die Seilbahn zwischen der Metro Station und der Monastery gerade wegen Wartungsarbeiten ausser Betrieb und so hiess es den Bus nehmen. Und der war voll – allerdings war er tatsaechlich nicht entsprechend dem Fahrplan alle 30 Minuten, sondern so rund alle 5-10 Minuten unterwegs. Und es hat sich ehrlicher Weise gelohnt, denn die Bustour zeigte ein anderes Bild von Hong Kong: abseits der grossstaedtischen Hektik und laendlich gepraegt. Hier schien die Welt sich wesentlich langsamer zu drehen, als einige Kilometer weiter östlich und hier schien die Stadtverwaltung großen Wert darauf zu legen, dass ein grünes Bild erhalten bleibt.

Die Monastery ist ein altes Kloster, welches durch zahlreiche chinesische Kriegshelden bewacht wird. Sie schauen in der Regel recht grimmig und dies ist in der von Geistern geprägten Vorstellung der Chinesen wohl auch so gewollt. Man bekommt so auf dem Weg zwischen Busparkplatz zum Big Budha bereits einen Einblick in die chinesische Kriegsgeschichte – immerhin ist Hong Kong Teil des Reiches der Mitte. Und man staunt nicht schlecht, die chinesische Flagge über dem Klohaeusl zu sehen.

Der Buddha ist natürlich auf dem Gipfel – da sitzt er in seiner gesamten Pracht und die gefühlten 10.000 Stufen erklomm ich im Schweiß meines Angesicht. Die Chinesen sorgen jedoch vor: jedem Besucher wird ein Gutschein für ein Eis und eine Flasche Wasser mitgegeben, einzulösen auf dem Gipfel des Berges. Man soll schließlich einen Anreiz haben, aufzusteigen.

Für deutsche Augen etwas befremdlich ist dann der nähere Anblick des großen Dicken, denn auf der Brust prangt das Hackenkreuz. Mich hat es davon abgehalten, eine kleine Figur mitzunehmen. Denn obwohl für die Chinesen es sich mit etwas ganz Anderes verbindet, ist mir doch etwas unwohl dabei ein solches Symbol in meinem Wohnzimmer zu haben.

Macau – Das Spielerparadies auf der anderen Seite der Welt

Hong Kong wäre nicht vollständig, wenn man nicht den Boattrip nach Macau unternehmen würde. Die ehemalige portugiesische Kolonie ist nur eine Stunde mit dem Speedboat entfernt – und Hong Konger scheinen den Trip öfter zu machen, soviel Verbindungen wie es täglich gibt. Es ist nur bedauerlich, dass man nicht auf dem Außendeck Platz nehmen kann und die wunderschoene Seenlandschaft ohne Fenster geniessen.

Obwohl Macau der dichtbesiedelste Platz der Welt ist, macht es einen deutlich leichteren Eindruck aus die Schwesterstadt an der Ostküste des Pearlfluss Delta. Dazu beizutragen scheinen auch die ausgepraegten Seenlandschaften, die sich zwischen den Stadtteilen angelegt sind und anders als Hong Kong ist die Stadt nicht um Berge gruppiert und wirkt auch bereits deshalb freier.

Ein Besuch in der ehemaligen Cathedral darf natuerlich nicht fehlen. Bei einem Brand zerstoert wurde nur noch die Fassade wieder errichtet. Waehrend die Vorderfront belebt ist, strahlt die Rueckseite – quasi das imaginaere Kirchenschiff – eine unglaubliche Ruhe aus. Es kommt einem vor, als wuerden die Besucher mit dem Durchschreiten des Portals sich tatsaechlich im Kirchenschiff fuehlen und in das unter dem eigentlichen Altar gelegene Museum die spirituelle Athmosphaere aufnehmen.

Macau ist aber unvollstaendig, ohne einen Blick in das Casino und das etwas in die Jahre gekommene Grand Lisboa. Das Bauwerk in Form einer Blume beherberbt eines der groessten Casinos der Stadt und mit 47. Floor ist es eines der hoechsten Bauwerke der Stadt. Von aussen wie auch von innen ist es jedoch irgendwo im Kitsch der 1980er Jahre stehen geblieben – und wird wohl als langjaehriges Wahrzeichen an die Herrschaft Portugals ueber der Stadt bestehen bleiben.

 

flickr Hong Kong – Asia’s Noble House

flickr Macau The Gambling Paradise

Die phantastischen Twelf Apostles

Die Great Ocean Road war eigentlich eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme fuer die Heimkehrer des australischen ANZAC-Korps aus dem Ersten Weltkrieg. Die Wirtschaft lag danieder und Arbeitsplaetze waren rar, und deshalb kam eine private Initiative auf den Gedanken, die Arbeitskraft der Heimkehrer fuer den Bau einer Strasse sued-westlich von Melbourne bis kurz hinter die Twelf Apostel zu bauen. Es ist wohl in der Neuzeit die einzige Strasse weltweit, die ausschliesslich durch Handarbeit gebaut wurde, denn was man genug hatte waren Arbeiter.

Heute ist die Great Ocean Road vor allem eine Touristenattraktion mit vielen unterschiedlichen Facetten. Das westliche Ende ist gepraegt durch lange Straende, die durch die vielen Buchten abgetrennt sind und so kein Mallorca Feeling aufkommen lassen. Man ist einfach privater und ist nicht der Massenhysterie unterworfen.

Die Great Ocean Road ist landschaftlich gepraegt nicht nur von Straenden, sondern von bis ans Meer reichenden Bergketten. Mit Ausnahme von Kangaruhs duerften dort alle die Tiere zu finden sein, die typisch fuer Australien sind: Wombats, Koalas, Kakadus … die Natur bietet ihren gesamten australischen Gabentisch. Man muss bloss anhalten und genau hinschauen. Denn Koalas, die im uebrigen mit einem Baeren genauso viel gemeinsam haben wie Hund und Katze, schlafen 23 Stunden am Tag hoch ueber dem Boden in den Wipfeln der Baeume.

Der erste Abschnitt heisst zudem nicht umsonst Surfers Road. Denn hier finden auch Freunde des Surferns ihren Platz, wenn die Wellen auch nicht die Hoehe erreichen wie vor Hawaii. Aber gerade fuer den Freizeitsurfer bietet sich so kurz vor Melbourne die ideale Gelegenheit, ein wenig raus zu gehen aus sich selbst und den Duft der weiten Wellen zu geniessen.

Der imposanteste Teil der Great Ocean Road sind aber sicher die Twelf Apostles, die eigentlich nur noch acht sind und bis vor einigen Jahren neun waren. Die Antarktis ist einem ganz nahe, so zwei Punkte – Stuart Island und Kap Horn – liegen naeher dran und wenn mal wieder die See etwas rauer ist, kann einem der Atem weg bleiben. Die See rauscht an die aufrechstehenden Saeulen und schaeumt in den Buchten meterhoch.

Es war einmal eine Stelle, die fuer Seefahrer mit zu den gefaherlichsten an den Kuesten des fuenften Kontinents gehoerten. Dutzende von Schiffen sind hier versunken, seien es Frachter oder Passagierschiffe. So sank am Lorch Ard Gorge im Port Campbell National Park die Lorch Ard im Nebel, nachdem sie ihre Passagiere drei Monate ueber See aus London transportiert hatte, kurz vor Erreichen des Zieles Melbourne. Nur zwei Ueberlebende kannte das Unglueck – zwei von einer Gruppe, die ihr neues Glueck auf dem fuenften Kontinent suchen wollten. Und immer wieder brachte der Nebel Schiffe in der Zielgeraden zum Sinken.

Hier spaetestens, wenn man es nicht an anderer Stelle schon einmal gemerkt hat, machen sich die Naturgewalten bemerkbar. Vor einigen Jahren ist neunte Stalagmit durch die staendigen Wellenbrecher ausgehoehlt zusammen gebrachen. Und die wenige Kilometer entfernte London Brigde hat zwischenzeitlich auch die Verbindungsstrasse verloren.

 

flickr | The Great Ocean Road and the Twelf Apostles

Operator Visit Melbourne
 Website http://www.visitmelbourne.com/
 Email info@melbournecitytour.com.au

 

Mungo National Park … dort, wo die trockenen Seens liegen

mailbox.ashxDies mit den Seen im Mungo National Park, nicht weit vom Staatendreieck New South Wales, Victoria und South Australia entfernt, ist in der Tat so eine Sache. Man sieht sie nicht und wenn, nur auf dem Navigationsystem.
Ich hatte mich ja entschlossen, doch in Mildura zu uebernachten und von dort aus in das Shearers Quarter, das alte Quartier der Schafscheerer, zu fahren. Ich hatte urspruenglich eine Unterkunft etwas weiter suedlich von Mildura gebucht, aber da ich letztlich an dem See nichts haette weiter unternehmen koennen, war Mildura die bessere Wahl. Ich war nun mitten im Outback Australiens angelangt – wenn das Outback auch nicht das Outback ist, sondern ziemlich viele Gesicht zeigt.

Die Fahrt ist bereits eine wahre Augenfreude. Noch auf der Karte, bei meinen Vorplanungen, hatte ich gedacht, es gaebe einen deutlichen Unterschied zwischen drinnen und draussen. Aber hatte ich weit gefehlt. Denn bereits auf dem Weg zeichnete sich ein stetiger Wechsel zwischen Steppenlandschaft und Waeldern ab. Kurz nach Mildura bereits endete auch die asphaltierte Strasse und ging ueber in eine Sandpiste – gut befestigt, aber bereits im Reisefuehrer wurde vor Regen gewarnt. Nun, Regen war nicht in Sicht und so war es auch kein Problem, die Piste zu befahren.
Wer die Tierwelt Australiens sucht, ist hier zumindest an einem guten Platz angelangt. Die Voegel zwitschern bunt durch einander und zeigen ihre Farbenpracht inmitten der sandgrauen Steppe. Und auch die australischen Beuteltiere – Kaengerus – machen ueberall ihre Aufwartung. Manchmal leider auch als Kadaver, wie sie angefahren wurden. Die fressenden Woelfe und anderen Aas-Fresser sorgen allerdings rasch dafuer, dass nur die Knochen uebrig bleiben.

Ankommen im Nirgendwo

Von Mildura aus gesehen ist das Nirgendwo nur zwei Stunden entfernt, in der Mungo National Park ist wirklich so etwas wie eine der abgeschiedensten Gegenden fuer einen Stadtmenschen. Irgendwo mitten auf der Strasse war es naemlich dann, dass Schild „Mungo National Park“ und dort war das Shearers Quarter. Die zentrale Informationsstelle beinhaltet gleich vier Bereiche im kleinen, aber weitlaeufigen Umkreis: das Information Center, die Quartiere der drei Ranger und die fuenf einfachen Bungalows im Shearers Quarter sowie die alte Schafscheereinrichtungen. Nur die betone Aussichtsrotunde stoert etwas in der wunderschoenen Anlage etwas.

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Mitten im See … auf den Navi

Die Ranger des National Parks haben sich aber insgesamt wirklich viel Muehe gegeben, eine Anlage von hohem Wert zu entwickeln und zu pflegen. Der Weg in das Information Center lohnt sich dabei auf jeden Fall, denn mitten in der Oednis wird ein Ueberblick ueber die Geologie des Parkes gezeigt, der mehrere Millionen Jahre zurueck reicht. Und derweil machen draussen, im Quarter, zwei Aborigines sich die Arbeit, das Nachtlager her zurichten. Aber wer hierher kommt, sollte nicht zu viel erwarten, denn die Anlage besteht wirklich nur aus fuenf Huetten zum Schlafen, einer Gemeinschaftskueche und einer eiskalten Duschmoeglichkeit. Wer also vergessen hat, etwas zu essen und eine Decke mitzunehmen, sollte gleich umkehren – oder in die fuenf Minuten entfernte, etwas komfortablere Lodge umziehen. Ich hatte noch in Mildura mir bei meinem Motel Bettzeug ausgeliehen und auch sonst noch etwas zu Essen eingekauft.
Irgendwann war die Nacht herein gebrochen und das wirklich tolle an der Anlage: es war ruhig. Absolute Stille zeichnete die Nacht aus, eine Stille wie ich sie zuletzt in der Namib in der Naehe von Swakopmund erlebt hatte. Wer also Tinitus hat, neben der Namib waere hier sein Platz zur Heilung in einer kargen, aber ausgesprochen schoenen Landschaft.

Das Nirgendwo erwacht zum Leben

Man muss schon genauer hinsehen, wenn man das Nirgendwo auch lebend entdecken will. Denn anders als auf dem Weg zum Mungo sind die Kangaroos und Emus hinter hohen Steppengraesern versteckt. Aber es lohnt sich.
Kangaroos hatte ich ja bereits im Zoo von Canberra gesehen. Nur waren die hiesigen doch wesentlich groesser, mannshoch. Und anders als in den Waeldern rund um Balranald waren sie auch weit weniger scheu. Sicher, zu weit naehern sollte man sich den Paerchen nicht. Aber sie schauen doch interessiert, was der Mensch so interessiert guck und lassen sich ausgiebig photographieren.
Und auch die Emus, die hinter dem Chinese Wall warteten, zeigten eine erstaunliche Ausdauer darin zu warten, bis die Gattung Mensch wieder von Tannen zog.
Ich hatte schon im Information Center von den Touren durch den Park, oder eigentlich besser am Chinese Wall, gesehen, aber mich zunaechst dagegen entschieden. Ich wollte die zwei Tage nutzen, um die Gegend selbst zu erkunden. Aber irgendwo am Chinese Wall hatte ich dann gesehen, dass dies nur begrenzt moeglich ist und zufaelliger Weise kam genau zu diesem Zeitpunkt die Tour vorbei und ich schloss mich an. Und es hat sich gelohnt. Denn die Rangerin, eine Aboriginee, beschrieb nicht nur die Natur und die Gesteine, sondern sie bot auch einen tiefen Einblick in die Traditionen der Aboriginee. Der Mungo, heute unbesiedelt, ist ein altes Stammesgebiet der australischen Ureinwohner und so etwas wie eine deren heiligen Staetten. Auch deshalb ist das Gebiet des Chinese Wall nur mit Fuehrern betretbar. Hochzeiten, Jahrestage, Totenfeiern – fuer all dies war der Mungo frueher ein wichtiger Platz, an dem man den Goettern nah war. Und anders als fuer einen Europaer kommen bei den Aboriginee bis heute die ganzen Familien zusammen, die schnell auf eine stattliche Zahl anwachsen kann. Ihre mystische Erzaehlweise zog mich tief in ihren Bann, denn so schnell bekommt man nicht mehr die Traditionen so bildlich zu gesicht.

Man trifft sie ueberall … die Deutschen

DSC05833Die Deutschen haben ja meist ein Problem mit der eigenen Courage und verstecken sich vielfach. Bereits als Gast des Parliaments von New Zealand habe ich jedoch festgestellt: sie freuen sich, nicht nur Briten und Amerikaner zu treffen, die Menschen in der Fremde. Sondern heissen auch herzlich alles Deutsche willkommen in ihrer Welt.
Irgendwo auf dem Chinese Wall kam dann auch ein aelterer Herr auf mich zu und fragte mich auf Deutsch, wo ich denn herkomme. Ich war ueberrascht, denn er hatte mich wohl am Dialekt erkannt – sonst meinen viele, ich komme wahlweise aus Britannien oder den USA. Der aeltere Herr war in den 1950er Jahren nach Australien ausgewandert, zunaechst als Baecker und irgendwann, als das Geschaeft nicht mehr lief, hatte er eine Bauunternehmung gegruendet. Seine Wurzeln hatte er nie verloren, auch wenn er zwischenzeitlich ein Aussie ist. Er hat zwar nicht mehr viele Beziehungen nach Deutschland und war zuletzt dort vor mehr als 15 Jahren. Aber er erinnert sich gerne und hatte sich gefreut, einmal wieder jemand aus seiner alten Heimat zu treffen.
Seine Frau hatte er in Adelaide kennen gelernt und geheiratet. Und nachdem wir noch lange nach der Fuehrung standen und uns unterhielten, hatten er und seine Frau mich schliesslich auf einen Tee eingeladen. Zwischenzeitlich sind sie Rentner und haben sich einen alten VW-Bus gekauft und in zum Campingmobil umgebaut. Fuer sie ist die Zeit nicht stehen geblieben, aber sie nutzen sie, um den grossen Kontinent zu erkunden. Eine wirklich tolle Geschichte und ein wirklich sehr schoener Kontakt.

flickr | Mungo National Park

Operator Office of Environment and Heritage of New South Wales
Mungo National Park
 Website www.visitmungo.com.au/
 Email parks.info@environment.nsw.gov.au
>> Google Maps

Coordinates: -33.733876, 143.154827

Sydney: Megalopolis Down Under

Sydney ist bis heute so etwas wie das Entry Gate fuer den sDSC05245uedlichen Kontinent – was fuer die USA Staten Island war, ist Sydney fuer Australien. Melbourne wird dies nicht wirklich gerne hoeren, aber hier waren die Europaer das erste Mal angelandet und mit der Harbor Brigde und der Sydney Opera stehen bis heute hier die Wahrzeichen, die Australien in aller Welt praesentieren. Hier bin ich angekommen nach einem phantastischen Flug ueber die neuseelaendischen Alpen am vergangenen Donnerstag. Und die Stadt hat einfach viele Gesichter, die man kaum beschreiben und schon gar nicht in zwei Tagen entdecken kann. Man sollte auch gar nicht den Anspruch haben, man wuerde sonst scheitern.

Sydney Tower Eye

Es ist nicht zu viel versprochen, was einem die Werbung sagt: Erleben Sie den wahren Glanz von Sydney im Sydney Tower Eye. Die atemberaubende 360-Grad-Aussicht aus der Vogelperspektive zeigt Ihnen alle Einzelheiten dieser herrlichen Stadt bis in 80 Kilometer Entfernung in allen Richtungen. Bevor man aber ueberhaupt in die golden glaenzende Aussichtskorb in 251 Metern Hoehe gelangt, hat man das erste Erlebnis: das 4D-Kino. Wer bislang nur das 3D-Kino aus dem Muenchner Technik-Museum kannte, wird hier die vierte Dimension erleben. Denn im Flug durch Australien kommen Schlangen, Fliegen und Libellen nicht nur gefaehrlich nah, sie spritzen den Besucher auch mit Wasser voll. Es ist aber ein phantastischer Einblick in die Welt Australiens. Oben, in luftiger Hoehe, hat man dann in der Tat den in der Werbung versprochenen Ausblick. Die Mischung aus winterlicher Frische und Sonne laesst einen weit in das innere des Kontinents blicken. Kurz hinter Sydney beginnt bereits der wilde Westen, der gruen und satt im Sonnenlicht entgegen strahlt. Im Suedosten praesentiert sich der Flughafen, Australiens modernes Tor zur Welt, und im Nordosten der breit angelegte Hafen, Australiens altes Tor zur Welt. Wie die Kiwis, 4.000 Kilometer weiter oestlich, scheinn auch die Aussies die natuerlichen Buchten ueberall genommen zu haben, um sich anzusiedeln und so auch ihre Staedte vor den Stuermen der See ein wenig zu schuetzen. Majestaetisch liegt vor einem die Harbor Bridge und gleich daneben die Sydney Opera.

Harbor Tour

Wieder festen Boden unter den Fuessen und den Ueberblick erhalten, war es Zeit, die Stadt zu Fuss zu erkunden. Denn von oben sieht man zwar viel, aber noch bei weitem nicht alles. Darling Harbor, der Eventhafen tief in der Buchtenlandschaft vergraben, ist auch gleichzeitig der Startpunkt fuer jede Hafentour. Das Interessante: Es ist keine klassische Hafentour, sondern quasi der Wasserlinienbus, in dem man mitfaehrt. Unter durch geht es durch die Harbor Bridge und hier kann man die Kletterer bemerken. Daniela Rothenhoefer meinte einmal, es waere sehr teuer – aber ich hatte wohl auch ein wenig Schiss, in diese luftigen Hoehen zu klettern, nur gesichert durch ein duennes Seil und auf einem schmalen Steg entlang. Ich hatte mich naemlich nicht einmal nach einer solchen Tour erkundigt und den Ausblick von unten genossen. Die Stadt hatte ich schliesslich auch bereit aus dem sicheren Korb des Sydney Tower Eye erblickt. Nun, weiter an der Sydney Opera vorbei und hier zeigen sich die einmaligen Segel dieses weiss glaenzenden Bauwerkes. Ich habe aber auch festgestellt, dass wohl die meisten Bilder mit der Harbor Bridge im Hintergrund eher Bildmontagen sind … so genau passen sie naemlich in einer Achse dann doch nicht. Aber sei es drum. Und dann geht es auch schon weit aus dem urbanen Centrum der Stadt, vorbei am … Park, hinaus in die laendlichen Gefilde der Metropolregion bis an die Muendung der Watson Bay und nach Manly, den nordoestlichsten Suburb Sydney. Die Suburbs sind im Uebrigen so eine Sache und mir sind sie bereits in New Zealand begegnet. In Australia sind sie aber in der Tat noch praesenter, da die Staedte auch deutlicher groesser sind. Einen Strassennamen gibt es gerade in den Megastaedten mehrfach und auch mit Hausnummern koennen Taxifahrer nur dann etwas anfangen, wenn sie den Suburb dazu haben. Und ein Suburb ist nun nicht ein Stadtbezirk wie in Muenchen oder noch ein Stadtteil – sie sind noch kleinteiliger angelegt. Dies kann dann auch dazu fuehren, dass sich ein Taxifahrer strikt weigert den Auftrag auszufuehren, trotz exakter Adresse, nur eben ohne Suburb.

Alt-Englischer Schnick

Sydney wird nach aussen mehr durch seine Kulisse gepraegt. Wer kennt nicht die Harbor Bridge, das Opera House oder die gesamte Skyline. Weit weniger bekannt ist der britische Schnick, der beispielsweise in Kings Cross anzutreffen ist oder den auch Royal Botanic Garden gleich um die Ecke der Opera praegt. Es ist dieses ganz britische Sydney, welches man nur wieder in Melbourne antrifft und wo die Wurzeln des australischen Commonwealth sichtbar werden. Anders als der Central Business District ist der Rest von Sydney eher kleinteilig ausgelegt. Wer schon einmal in London war, wird die Wuerfelarchitektur kennen, mit den ein- bis zweistoeckigen Haeusern, die durch ihre kleinen Vorgarten glaenzen. Durch die Berg-und-Tal-Strassen, die Sydney´s Innenstadt praegen, wird dieses Bild noch eindrucksvoller. Die Stadt hat sich trotz aller Modernisierung dieses Flair aus Europa erhalten und die engen, teuren Wohnungen aus London mit genommen.   flickr | Sydney – The British Town in Down Under

CHRISTCHURCH DIE TRAURIGE METROPOLE DES SUEDENS

IMG_3824Das Christchurch 2010 und 2011 von zwei schweren Erdbeben getroffen wurde, merkt man der Metropole der Suedinsel bis heute an. Rund 30 Milliarden Dollar Schaden wurden damals angerichtet, wenn die Region Canterburry auch noch recht glimpflich davon gekommen ist.

Bis heute ist die Cathedral nicht wieder aufgebaut und die Ruine steht als tiefe Wunde in der Mitte der Stadt, am Cathedral Square. Ob sie jemals wieder aufgebaut oder abgerissen und durch einen „modernen“ Bau ersetzt wird, ist noch nicht endgueltig entschieden. Aber die Angelikanische Kirche hat eine beeindruckende sogenannteTransitional Cathedral errichtet. Am Tag, bevor ich nach Sydney geflogen bin, habe ich diesen tollen sakaralen Bau entdeckt, der durch seine Konstruktion den Uebergangscharakter unterstreicht: alle Saeulen sind aus Pappe. Es soll gar nicht erst der Eindruck entstehen, als haette die Anglikanische Kirche nicht den Willen, an DEN zentralen Platz der Stadt zurueck zu kehren.

Die drei Erdbeben haben aber viel Leben aus der Stadt genommen. Geschaefte sind weg gezogen, die Geschaeftshaeuser sind noch nicht wieder aufgebaut. Und so ist die Stadt selbst am Tag ziemlich leer, es verirren sich mehr Touristen als Christchurcher in die zentralen Lagen.

Dabei tut die Stadt viel, um das Leben und das Gesicht zurueck zu gewinnen. Die Christchurch Tram mit ihren historischen Wagen wurde bereits kurz nach dem Erdbeben wieder errichtet. Weniger ein Verkehrsmittel als eine Touristenattraktion, faehrt sie von der New Regency Street zum Canterbury Museum. Historisch aufgemotzt und mit grossartigen Tourguides lernt man viel ueber die Stadt kennen.

Christchurch hat sich aber eines erhalten: seine phantastischen Parks. The Christchurch Botanic Garden ist ein wenig den Gaerten in London nach empfunden, so wie viele der alten Architekturen. Und die gesamte Stadt ist mit vielen Parks und Gaerten durchzogen – was ein angenehmes Klima schafft und auch zum weitlaeufigen Schlendern einlaedt, insbesondere am Morgen.

Der englische Einfluss ist unverkennbar und deshalb traegt der County rund um Christchurch wohl nicht umsonst als einziger den Namen einer britischen Stadt. Dabei ist die Stadt, so wie viele in New Zealand, eher niedrig gehalten und dies macht auch den Charme aus.

 

DSC05055Und die Umgebung ist von Christchurch, gelegen auf der Banks Peninsula mit seiner tiefen fjordaehnlichen Landschaft reizt, raus zu gehen. Ich wollte eigentlich eine Wal- und Dolphin-Tour machen, aber das Wetter oder besser gesagt der Seegang haben nicht mitgespielt. Und so habe ich die Gelegenheit genutzt, einen Tag vor meinem Abflug aus diesem einzigartigen Land diese Umgebung zu entdecken. Es lohnt sich – auch einmal laenger hier zu weilen.

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