“Belinda ist nervös, selbst ihr zentimeterdickes Make up vermag dies nicht zu vertuschen. Belinda will Carnevalskönig werden …“
Wie Belinda, so ist nahezu jeder Tenerifi carnevalsverrückt, der auf Tenerife jedoch nicht nahezu ein halbes dauert, sondern nur wenige Wochen, die dafür umso intensiver sind. Am Tag des Coros ist Belinda die Erste, die den Coso durch Santa Cruz anführt als Königin des Carnavals. Gefolgt von den Clows, die bereits seit Tagen über die Lokalpolitiker vom Leder gezogen sind und überall in den Strassen sichtbar waren. Und dann folgen sie auch, die Samba- und Salsatänzer, Männer und Frauen bunt gemischt und vereint in den knappen Kleidern. Grosse Carrozas prägen den Umzug in Santa Cruz ebenso mit ihren antiken Pyramiden, neumodigen Feuerdrachen und Spelunken wie Tausende von herausgeputzten Menschen aus den zahlreichen Tanzschulen.
Dies ist, kurz gefasst: Santa Cruz in Carnaval. Und mit der mondänen Hauptstadt der kleinen Insel inmitten des Atlantiks ist der ganze Norden gefüllt von Carnavals-Veranstaltungen in einem bunten Theater aus Strassenumzügen und verrückten Traditionen.
Santa Cruz in Carnaval
Eine Woche dauert die verrückte Zeit in Santa Cruz, eine Woche nahezu durchgehender Party. In dem abgelegenen Archipel, der früher bitterarm war, bildete der Carnaval die Möglichkeit einmal im Jahr ausgelassen zu sein und alle Sorgen beiseite zu schieben. Und es war die Möglichkeit, auf die Oberen zu schimpfen und sie zu verspotten. Die Fürsten, und hier ist der canarische Carnaval dem deutschen Fasching nicht ganz unähnlich, konnten in diesen Tagen dem Volks buchstäblich aufs Maul schauen um zu sehen, was sie von ihrer Politik hielten. Niemand nahm es übel, aber die Dinge konnten sich entwickeln. Noch heute findet hinter der Maske dicker Schminke die Persiflierung der Oberen statt. Nur zwischenzeitlich mit lauter Musik.
Den Startpunkt bildete die Wahl der Königin des Carnavals. Eine Entscheidung, die das Leben der Kandidatinnen verändern kann, denn für sie ist weniger der Carnaval selber interessant, als vielmehr die Zeit danach mit reich dotierten Modelverträgen.
Aber wen am Samstag vor Rosenmontag die ganze Innenstadt rund um den Placa Espana zu einer einzigen Partyzone wird, so kommen sie aus allen Inselteilen hierher. Die Hotels sind restlos ausgebucht für den zweitgrössten Carnaval der Welt nach Rio de Janeiro. Überall in den Strassen der Innenstadt dröhnt die Musik die ganze Nacht durch, nachdem die Menschen mit dem Dinner abgeschlossen haben und somit ausreichnet genährt sind für eine lange Nacht die bis in die frühen Morgenstunden reicht. Der Alkohol fliesst in Strömen und die Menschen, ob Mann oder Frau, knutschen sich gegenseitig ab. Das Leben ist unbeschwert wie selten, ohne das die Menschen ausfallend werden. Nach Sonnenaufgang sieht die Stadt dann aus wie ein Schlachtfeld, aber schon sind die Strassenreiniger im Anmarsch, um bis Mittag die Spuren der Nacht zu beseitigen. Es müssen Tonnen von Müll sein, die hier abtransportiert werden.
Dabei verkleiden sich die Partygänger gar nicht weiter. Jeder Chinamarkt auf der Insel bietet eine reichhaltige Auswahl von Überziehern und man dürfte auch selten so viele Fällganzkörperkondome auf einem Fleck finden wie in Santa Cruz zu Carnaval. Und wenn das Wetter gut ist, dann läuft mancher Verrückter auch einmal nur in engen Hotpants durch die Strassen, um seinen Körper im wahrsten Sinne des Wortes zur Schau zu tragen. Und man ist erstaunt, was Menschen alles mitbringen, wenn sie ausgehen: die Flightdeck Crew bringt ihre Rollkoffer mit, andere haben riesige aufblasbare Fische oder Badeinseln, die sie die ganze Nacht mit sich fuehren.
Und kaum sind am Morgen des Faschingsdienstag die Folgen der vergangenen Nacht beseitigt, bereitet sich die Stadt auf den Höhepunkt der ganzen Woche vor: den Gran Coso, den grossen langen Strassenumzug der auf dem Placa Espana endet. Schon Mittags sind die ersten Stühle, die am Strassenrand in Zweierreihe aufgestellt wurden, besetzt. Denn jeder will den besten Platz von allen haben und ganz direkt am Geschehen dran sein. Die Sonne brennt und die leichte Brise der See kühlt wieder etwas, während sich langsam die Gassen wieder füllen.
Wie immer auf den Canaren mit etwas Verspätung beginnt der Coso dann gegen vier Uhr. Während vorher noch einige Wagen des Croves aus der vorangegangenen Partynacht rollen, bereitet sich die Queen of Carnaval auf ihren grossen Auftritt vor. Ihr voran schreitet ihre Hofkapelle, die Gesichter bunt bemalt im Kostüm der canadischen Mountain Police, und natürlich der Bischof des Carnavals – man ist die Spanien und die Kirche ist auch im Carnaval ein nicht zu vergessende Institution. Die Schutzgarde der Königin, bestehend aus Frauen und Männern in prächtigen Kostümen mit vielen Federn bei den Frauen und den feuerroten Teufelshörnern bei den Männern bilden die Vorhut und verstellen als letzte den Blick auf die Königin.
Dann dann präsentiert sich ihre Majestät. Die Königin thront auf ihrem Wagen in Silber gehüllt, wo mehr gezeigt als verdeckt wird. Das Haupt schmückt eine riesige Pfauenkrone und ihr Thron ist eine Phantasie aus silbern schimmernden und leicht verarbeiten Wölbungen.
Der König folgen die canarischen Tiere: der Papagei. Eine ganze Hundertschaft zieht in dem Zug vorbei, reich mit Federn geschmückt und kunterbunt. Wie die Papageien eben sind. Und das der Carnaval für Jung und Alt ist zeigen die vielen Kinder, die selbst im Kinderwagen die kilometerlange Strecke durch die Gassen der canarischen Hauptstadt mitschreiten. Manchmal scheint ihnen die Lust vergangen zu sein, aber sie bleiben dabei und haben noch tagelang von dem bunten Treiben zu erzählen.
Der König können sie alle nicht das Wasser reichen. Nicht die Jungfrau und auch die nicht Dame of Honours, die in einem eigenen Wagen als Hofstaat der König folgen. Und auch nicht die Queen of the retiered People. Aber sie zeigen die Vielfalt des Carnavals der Canaren, welcher über die Generationen verbindet und der auch die Kulturen verbindet. Denn nach den vielen Tanzschulen folgen die Folkloregruppen. Ob europäisch, indisch oder japanisch – sie sind dabei in bunten Kostümen. Es hier ist es auch nicht mehr die Zeit des Spots, sondern nur noch die Zeit der ausgelassenen Freude. Die Menschen feiern sich selbst und ihre bunte Vielfalt.
Und nach drei Stunden ist das Spektakel vorbei und die Stadt bereitet sich auf eine weitere Partynacht vor. Und nach vier weiteren Partynächsten hat das Spektakel für ein Jahr Pause. Öffentlich. Denn im Stillen bereiten die Menschen schon ihre nächsten bunten Kostüme vor.
Flickr Album Gran Coso de Santa Cruz
Die Beerdigung der Sardine
Während sich in Deutschland die Politiker mit mehr oder weniger gekonnten Reden sich gegenseitig an die Wurzel gehen, nehmen sich die Menschen auf den Canaren selber auf die Schippe. Niemand kennt die Herkunft der Tradition, aber schon den ganzen Tag war auf dem Placa San Telmo eine riesige Sardine ausgestellt, die kurz nach Sonnenuntergang durch die Strassen getragen wird zum Hafen von Puerto de la Cruz. Schwarz bekleidete Männer bekleiden diese Sardine in tiefer Trauer und rund herum kreischen in Frauenkleidern verkleidete Männer um Pedro, die Sardine. Wenn sich der Zug langsam fortbewegt, so könnte man allen Ernstes glauben, hier sei wirklich jemand gestorben.
Dabei dient das grosse Spektakel zwischenzeitlich nur mehr dazu, einmal mehr ein Feuerwerk über den Dächern der Hafenstadt abzufeuern. Einmal mehr läutet die Beerdigung der Sardine eine lange Partynacht auf dem Placa de Charco ein. Denn im Hafen angekommen wird diese Sardine gesprengt gefolgt vom Sardinenfeuerwerk. Und kaum ist die Sardine verbrannt, strömt die Serveza in Strömen und auch der Wein zeigt seine Wirkung.
Tuntenlauf von Puerto de la Cruz
Und zwei Tage später kommt es bereits zum nächsten Höhepunkt und man merkt: die kleine Stadt im Norden der Insel will sich gezielt vom Rest den carnavalistischen Treibens abheben. Wie bereits bei der Beerdigung der Sardine Pedro kann auch hier heute niemand mehr sagen, wann es angefangen hat. Aber die Gassen sind einmal mehr gefüllt und die Carnavalstouristen kommen extra aus Santa Cruz angereist, um Männer auf hochhakigen Schuhen über Kopfsteinpflaster Hindernisse überwinden zu sehen.
Mindestens neun Zentimeter müssen die Absätze hoch sein. Ob nun reale High Heels oder Plateauschuhe spielt keine Rolle. Und obwohl es keine Voraussetzung ist: bunt sollten sie sein. Und deshalb werden von den Läufern auch schoneinmal ganze Möbelstücke aus Pappe gebastelt, die natürlich den Lauf nicht einfacher machen. Aber Spass macht es und wenn einer die Hindernisse einfach umläuft, gibt es laute Buh-Rufe. Aber dafür hilft man auch jeder „Dame für einen Abend“ über die Hürden und so manche Frau springt einfach mit, wenn auch ohen High Heels.
Und wenn jetzt jemand fragt, wieviele Damen hier mitmachen, so sei ihm geantwortet: keine. Diese sind nämlich ausgeschlossen und niemand beschwert sich darüber. Denn hier wollen vorallem die Frauen sehen, wie die Männer durch die Gegend gockeln und sich bei jedem Hindernis und jedem Pfasterstein fast die Haxe brechen. Aber dies kommt nicht wirklich oft vor, denn vorher wird geübt.
Flickr Album Te Conozco Mascarita
Gran Croso Puerto de la Cruz
Dem Abschluss der canarischen Carnaval Session bildet traditionell der Gran Coso in Puerto de la Cruz drei Tage nach Aschermittwoch. Noch einmal werden die bunten Kostüme heraus geholt. Was in von Santa Cruz unterscheidet? Er ist nicht nur deutlich kleiner, er ist auch wesentlich volksnäher. Es laufen weniger Gruppen und dafür viele Individuen, die hier einfach mitkommen und ihren Spass am Verkleiden haben.
Das Besondere in Puerto de la Cruz ist die Partnerschaft mit Düsseldorf. Bereits am Rosenmontag war die Queen of Carnaval in Düsseldorf dabei, um wenige Tage später das Düsseldorfer Prinzenpaar in ihrer Residenzstadt zu begrüssen. Mit einem eigenen Wagen, Hellau und Kamelle machen sich die Düsseldorfer schnell bemerkbar – sie heben sich ab von dem canarienvogelbunten Treiben der Lokalitas.
Und während die Queen von Santa Cruz den Zug ihrer Getreuen eröffnet, lässt sich die hohe Dame von Puerto de la Cruz die Zeit, den Zug zu beschliessen, gefolgt von einer wilden Horde von ausgelassen feiernden Menschen, die bei lauter Crove Music durch die Gassen der ansonsten so beschaulichen Kleinstadt im nördlichen Ende von Tenerife ziehen. Nunmehr haben die Menschen nur noch eine Nacht und daher will keine Minute verloren sein.
Ein Jahr müssen die Menschen dann warten, bis sie wieder ihre bunten Kostüme rausholen und durch die Gassen bei lauter Musik und viel Ausgelassenheit feiern können.
Flickr Album Gran Coso Puerto de la Cruz









Glaubt man den Maori – und es gibt eigentlich keinen vernuenftigen Grund, dies nicht zu tun – so sind die Marlborough Sounds in einem Kampf zwischen dem legendaeren polynesischen Entdecker New Zealands, Kube, und einem riesigen Oktopus entstanden. Kube soll waehrend des Kampfes seine Hand in Richtung Suedinsel ausgestreckt haben, wobei seine Finger tiefe Furchen in dem Land hinterlassen hatten und diese sich mit Wasser gefuellt haben.